Stadtrevue-Netzmusik: Das komplette Interview mit Christian Grasse

Nach dem Auftakt im vergangenen Monat erschien vorgestern Stoffels und meine neue Kolumne Netzmusik #01 im Kölner Magazin Stadtrevue. Für die vergangene wie auch für diese Ausgabe habe ich Interviews geführt, von denen ich aufgrund der begrenzten Zeichenzahl nur Auszüge verwenden konnte.

Christian Grasse

Christian Grasse

Nachfolgend das komplette Interview mit Christian Grasse für den Artikel “Maximale Verbreitung! Netlabels krempeln das Musikbusiness um” aus Stadtrevue 09/2012, geführt am 27. Juli 2012. Christian Grasse (Twitter, Homepage, Blog) ist Mitbetreiber des Netlabels aaahh records, freier Journalist für Hörfunk und Netz, Podcaster und Blogger.

Wie kommt es, dass man nicht nur bei aaahh records, sondern auch bei einigen anderen Netlabels seit einiger Zeit wieder einen – wenn auch kleinen – Trend zum physischen Tonträger beobachten kann?

Vorweg: Digitale Musik ist der Status Quo in der Musikwelt und “freie” Musik ist längst ein gängiges Modell für PR, auch im Mainstream-Musikmarkt. Die einst “revolutionäre” Vorreiterrolle haben Netlabels also verloren. Der physische Tonträger wird dagegen immer mehr zur Nische (in Zeiten von Musikstreaming übrigens auch zunehmend das MP3), die uns reizt.

Der Hauptgrund für Vinyl ist wohl das komplett entgegengesetzte Hörverhalten. Vinyl ist Haptik pur, ein langsames Medium, das Geduld und Zuwendung braucht. Das Hören von Vinylplatten ist eine bewusste Entscheidung, eine gesteigerte Aufmerksamkeit, eine Zuwendung zur Musik. Digitale, bzw. virtuelle Musik (Stream und Downloads) hingegen stellt eher ein Nebenbei- oder Entdeckungsmedium dar. Ich glaube, dass genau dieser Gegenpol in der von kurzen Aufmerksamkeitsspannen getriebenen Netaudiowelt den Reiz darstellt, vermehrt auf Vinyl zu setzen. Vorausgesetzt die Fans verlangen danach.

Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Interviews lief das aaahh Records-Crowdfunding-Projekt “Entertainment for the Braindead’s ‘roadkill’ as a vinyl-release“, zu dem ich Christian folgende Frage stellte:

Aktuell steht Ihr ja bei etwa 1400 Euro und es bleibt noch knapp ein Monat – wie schätzt Ihr Eure Erfolgschancen in Bezug auf das Ziel 5000 Euro ein?

Die ersten 1000 Euro sind am einfachsten, denn die Fans die nur darauf warteten, schlugen sofort zu. Jetzt wird es sicherlich schwierig, denn die Kampagne muss nun auch Leute erreichen, die uns bisher nicht kannten. Statistisch gesehen sind 80% aller Crowdfunding-Kampagnen, die die 30% Marke überschreiten auch erfolgreich. Insofern sind wir ganz zuversichtlich.

Werdet Ihr ‘Roadkill auf Vinyl’ auch realisieren, wenn das Funding über startnext nicht funktioniert?

Darüber haben wir noch gar nicht ernsthaft nachgedacht. Ich denke nicht. Für uns ist das alles ein Experiment. Wir sind einfach sehr neugierig wie und ob dieses Werkzeug, das nun jedem Kreativen zur Verfügung steht, funktioniert. Niemand hat etwas zu verlieren. Wir sind ja grundsätzlich komplett unkommerziell aufgestellt und es existieren keinerlei Abhängigkeiten. Wenn es funktioniert, freut es uns sehr! Wenn nicht, dann war es trotzdem eine gute Erfahrung und ein Lernprozess im Umgang mit dem für uns neuen Werkzeug des Crowdfundings.

Zum Zeitpunkt des Redaktionsschluss war der Ausgang des Projekts noch ungewiss, daher der im Artikel etwas vage formulierte Satz ”Mal klappt es, mal nicht”. Leider hat es dann nicht geklappt, das gesetzte Ziel von 5000 Euro zur Realisierung des Albums ‘Roadkill’ von Julia Kotowski aka Entertainment for the Braindead auf Vinyl zu erreichen. Warum hat aaahh records hier aufgeschrieben.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Christian Grasse.

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